In Ausgabe Nr. 14 des SPIEGEL vom 03.04.2021 wird unter dem Titel „Mit Angst im Bauch“ über Führungsstile berichtet, die u.a. von Aldi angewendet worden sein sollen und bei den Mitarbeitern zu erheblichem Druck, Burnout, und erhöhten Ausfallzeiten geführt haben.

Speziell sei das von Reinhard Höhn entwickelte Harzburger Modell zum Einsatz gekommen. Obwohl Höhn als bekannter Ideologe des Dritten Reichs – er stieg sogar in den Rang eines SS-Oberführers auf – keine unbefleckte Vita vorweisen konnte, galten seine managementtheoretischen Arbeiten in der Bundesrepublik Deutschland lange als wegweisend für die Organisationsentwicklung. Auch heute noch finden sich lobende Einträge in Wirtschaftslexika, wo vor allem die hohe Entwicklungsstufe des Modells Beachtung findet.

Viele Aspekte des Modells finden sich heute noch zahlreich in Betrieben wieder, sei es explizit, aber auch ohne Kenntnis des Modells in dem Gefühl, wie Führung im Unternehmen auszusehen habe. Das Führen über Zielvereinbarungen, die unangekündigten Ergebniskontrollen, die fehlende Mitwirkung der Mitarbeiter an der Zielgestaltung, Organisationsformen und auch den Arten der Ergebniskontrolle dürften jedem bekannt sein.

Dabei ist über zahlreiche Studien bekannt, dass gerade Mitwirkung, Selbstwirksamkeit und Motivation direkten Einfluss auf den Unternehmenserfolg haben. Leider wird gerade das im genannten Artikel des SPIEGEL nicht deutlich, konzentriert man sich hier doch eher auf die Nazi-Vergangenheit des Entwicklers Höhn. Es wäre spannend gewesen, zu einem der dringendsten Probleme der Organisationsentwicklung und den moderneren Ansätzen Stellung zu beziehen. Dadurch wäre auch klarer benannt worden, wo die Probleme des Harzburger Modells liegen- gerade wenn es um modernen Arbeits- und Gesundheitsschutz geht.

Die Erhebung psychischer Belastungsfaktoren im Betrieb, der Einfluss der Führung auf Qualität, Innovation, Bindung der Mitarbeiter und der Schaffung einer starken Arbeitgebermarke- bei gleichzeitiger Senkung von Arbeitsausfall durch psychische Belastungen dürften eigentlich durch großangelegte Kampagnen des Bundes (INQUA), der Unfallversicherungen (Kommitmensch)- und vor allem auch durch die Pandemie in rasantem Tempo veränderte Arbeitswelt (Agile Führung, Vernetzte Führungsstile, Arbeiten im Homeoffice usw.) doch nicht mehr so stiefmütterlich behandelt werden. Oder?

Da wird ein anderer Artikel in der Zeit deutlicher: „Der veraltete Führungsstil in deutschen Firmen gefährdet den Wirtschaftsstandort.“

Zeit, die Unternehmenskultur zu ändern, eine starke Beteiligung der Mitarbeiter einzufordern und für die Umwälzungen in der Wirtschaftswelt bereit zu sein.

Links zu zitierten und erwähnten Artikeln:
ZEIT- Artikel
SPIEGEL-Artikel
Harzburger Modell im Wirtschaftslexikon24

Stay safe!
Bjoern Alberternst

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